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Donnerstag, 19. Oktober 2017   
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Publius Vergilius Maro, Aeneis. Buch II

Publius Vergilius Maro, Aeneis. Liber secundus

(lateinischer Text hier)

Alle verstummten und hielten gespannt den Mund; daher fing der Vater Aeneas so von dem Lager an: Königin, du befiehlst unsagbaren Schmerz zu erneuern, wie die Griechen die trojanische Macht und das beklagenswerte Königreich zerstörten., was sehr Unglückliches ich sowohl selbst sah als auch dessen ich ein großer Teil war. Welcher von den so beschaffenen Myrmidonen, Dolopern oder welcher Soldat des harten Odysseus könnte beim Reden die Tränen zurückhalten?

Auch stürzt schon die feuchte Nacht vom Himmel und das fallende Sternenbild rät zum Schlaf. Aber wenn die Liebe so groß ist, unseren Fall zu erfahren und kurz das höchste Leid Trojas zu hören, obwohl der Geist schaudert, sich zu erinnern und vor der Trauer zurückwich, will ich beginnen. Die Führer der Griechen, vom Krieg gebrochen und vom Schicksal zurückgeschlagen, bauen, weil schon so viele Jahre vergehen, mit der göttlichen Kunst der Pallas ein Pferd gleich wie ein Berg und umflechten die Rippen mit ausgesägten Tannen; sie täuschen ein Gelübde für die Rückkehr vor; das Gerücht verbreitet sich. Hier hinein schließen sie, nachdem sie gelost haben, ausgewählte Männer heimlich in die dunkle Seite ein und innen füllen sie die ungeheuren Höhlungen und den Unterleib mit bewaffneten Soldaten. Tenedos ist in Sicht, eine durch das Gerücht bekannte Insel, reich an Besitz, während die Herrschaft des Priamos blieb, jetzt nur eine Bucht und ein unzuverlässiger Posten für die Kiele: Bis hierher vorgerückt verstecken sie sich an der verlassenen Küste.

Wir glaubten, dass sie weggefahren seien und mit dem Wind Mykene angestrebt haben.

Also löst sich ganz Teucria von der langen Trauer; die Tore wurden geöffnet, es erfreut zu gehen und die dorischen Lager und die verlassenen Orte und den zurückgelassenen Strand zu sehen: Hier war die Schar der Doloper, hier lagerte der wilde Achilles; hier war der Ort für die Flotten, hier pflegten sie in der Schlachtreihe zu kämpfen. Einen Teil erstaunt das unheilvolle Geschenk für die unverheiratete Minerva und bewundert die Größe des Pferdes; und Thymoetes mahnt als erster, es innerhalb die Stadt führen zu lassen und in die Burg zu stellen, entweder aus List, oder weil es das Schicksal Trojas schon so machte. Capys aber, und die, deren Verstand eine bessere Meinung zukommt, befehlen, entweder den Hinterhalt der Danaer und die verdächtigen Geschenke ins Meer zu stürzen und mit daruntergelegten Flammen zu verbrennen oder das hohle Versteck des Bauches anzubohren und zu prüfen. Die unsichere Menge teilt sich in gegensätzliche Bemühungen.

Dort rennt Laocoon als erster vor allen, während er von einer großen Schar begleitet wird, brennend von der hohen Burg herab, und von ferne (ruft er): „O arme Bürger, welch großer Wahnsinn? Glaubt ihr, dass der Feind weggefahren ist? Oder glaubt ihr, dass irgendein Geschenk der Danaer frei einer List sei? Ist so bekannt Odysseus? Entweder werden Achiver verborgen durch dieses Holz eingeschlossen, oder diese Maschine ist errichtet worden gegen unsere Mauern, um in die Häuser zu schauen und von oben in die Stadt zu kommen, oder es ist irgendeine Täuschung verborgen; vertraut dem Pferd nicht, Teukrer. Was auch immer es ist, ich fürchte die Danaer, auch wenn sie Geschenke bringen.“

So sprach er und schleuderte mit starken Kräften eine ungeheure Lanze in die Seite des wilden Tieres und in den hinsichtlich des Gefüges gekrümmten Bauch. Jene stand zitternd, und die hohlen Höhlungen ertönten aus dem getroffenen Unterleib und gaben einen Seufzer. Und, wenn es nicht Schicksal der Götter, wenn der Verstand nicht töricht gewesen wäre, hätte er bewegt das argivische Versteck mit dem Eisen zu verunstalten, stünde sowohl Troja jetzt noch, als auch du, hohe Burg des Priamos, bliebest.

Siehe da, dardanische Hirten ziehen, nachdem die Hand inzwischen auf den Rücken gebunden wurde, mit großem Geschrei zum König einen jungen Mann, der sich unbekannt den kommenden freiwillig entgegengebracht hatte, damit er dieses selbst erreichte und er den Achivern Troja öffnete, auf den Mut vertrauend und zu beidem bereit, entweder eine List zu erwägen oder dem sicheren Tod zu erliegen..

Von allen Seiten eilt die umgebene trojanische Jugend um zu schauen und sie streiten den Gefangenen zu verspotten. Empfange nun die Falle der Danaer und lerne von einem einzigen Verbechen alle.

Denn sobald er sich mitten im Blick verwirrt und unbewaffnet aufstellte und den phrygischen Heereszug mit den Augen ringsum erblickte, sagte er: „Ach welcher Erdboden, und welche Meere können mich nun empfangen? Oder was bleibt mir unglücklichem noch schließlich übrig, dem auch kein Platz irgendwo bei den Danaern ist, und außerdem fordern selbst die feindlichen Dardaniden eine Strafe mit Blut?“

Durch diesen Seufzer wurden die Gemüter gewendet und zurückgehalten jeder Angriff. Wir forderten auf zu reden, aus welchem Blut er gewachsen war, und was er vorzubringen habe; er soll berichten, welches Vertrauen dem Gefangenen sei.

„Alles freilich will ich dir, König, was auch immer gewesen ist, wahr bekennen“, sagt er, „und ich werde es nicht leugnen, dass ich aus dem argolischen Geschlecht bin. Dies zuerst; und, wenn Fortuna den Sinon arm gemacht hat, wird die Schlechte ihn nicht inhaltslos und lügnerisch machen.

Wenn zufällig im Gespräch irgendeine Erwähnung des Namens des Beliden Palamedes zu deinen Ohren gelangte und viel genannt das Gerücht von Ruhm, den die Pelasger unter falschem Verrat unschuldig durch eine unsagbare Aussage, weil er den Krieg verbot, zum Tode schicken, jetzt vom Licht beraubt betrauern: Jenem zum Kameraden und nahe stehend durch Blutsverwandtschaft schickte mich der arme Vater in den jungen Jahren in den Krieg. Während er unversehrt in der Herrschaft stand und stark in der Versammlung der Könige, trugen auch wir etwas sowohl vom Ruf als auch von der Würde. Nachdem er durch den Neid des verführerischen Odysseus (ich erzähle nichts Unbekanntes) von den oberen Gesichtern fort ging, zog ich das Leben niedergeschlagen in die Finsternis und Trauer und ärgerte mich mit mir über den Fall des unschuldigen Freundes.

Und ich Wahnsinniger schwieg nicht und ich versprach, mich, wenn der Zufall mich wohin brächte, falls ich je siegreich zu der heimatlichen Argos zurückgekehrt wäre, als Rächer, und bewegte den rauen Hass mit Worten. Von hier war für mich der erste Absturz ins Übel, von nun an schreckt Odysseus immer mit neuen Vorwürfen, von jetzt an streut er zweideutige Worte ins Volk und bewusst sucht er nach Mitteln und Wegen.

Und er ruhte in der Tat nicht, bis er mit Kalchas als Diener – aber was wiederhole ich jedoch vergeblich dieses Unangenehme, oder was halte ich euch auf? Wenn ihr alle Achiver in einem Stand habt, und es genug ist zu hören, vollzieht die Strafen jetzt endlich: Das würde der Ithaker wollen und handelten groß die Atriden.“

Dann aber brannten wir darauf zu wissen und die Gründe zu erfragen, unkundig so großer Verbrechen und Kunst der Pelager. Heftig bebend fährt er fort und spricht aus geheuchelter Brust: „Oft wünschten die Danaer die Flucht, nachdem Troja verlassen worden war, zu unternehmen und vom langen Krieg erschöpft abzureisen; und hätten sie es doch getan! Oft sperrte der raue Wintersturm des Meeres jene ein und der Südwind schreckte die Gehenden.

Besonders als schon dieses aus Ahornbalken zusammengesetzte Pferd stand, ertönten Wolken im ganzen Äther. Gespannt schicken wir Eurypylos das Orakel des Phoebos zu befragen, und dieser bringt vom Allerheiligsten zurück das traurige Wort: „Ihr habt mit Blut die Winde besänftigt und durch die getötete Jungfrau, als ihr zuerst zu den ilischen Küsten kamt, Danaer; Die Rückkehr muss durch Blut gesucht werden und es muss ein Opfer dargebracht werden mit einer Argolischen Seele.“ Als dieses Wort zu den Ohren des Volkes gelangte, erstarrten die Gemüter und eiskalt fährt ein Schrecken durch die tiefen Knochen, wem sie das Schicksal bereiten, wen Apollo fordert.

Hier drängt der Ithaker den Seher Kalchas mit großem Lärm in die Mitte; er verlangt zu wissen, was dieser göttliche Wille ist. Und schon prophezeiten viele das grausame Verbrechen des Betrügers auf mich, und schweigend sahen sie, was kommen wird.

Jener ist zweimal je fünf Tage still und weigert sich bedeckt irgendwen mit seiner Stimme zu verraten oder dem Tod auszusetzen. Kaum endlich, durch das laute Geschrei des Ithakers getrieben, bricht er gegen die Ordnung das Wort und bestimmt mich für den Altar. Und alle pflichten bei und trugen, was für sich selbst jeder fürchtete, jetzt gewendet als Untergang des einen einzigen Unglücklichen. Und schon war der grässliche Tag da; das Opfer wurde für mich bereitet und die gesalzenen Feldfrüchte und die Kopfbinden um die Schläfen.

Ich gestehe, ich entriss mich dem Tod und zerriss die Fesseln, und im schlammigen See versteckte ich mich durch die Nacht heimlich im Schilf, bis sie die Segel setzten, wenn sie sie nur gesetzt haben würden. Und es gibt für mich schon keine Hoffnung, die alte Heimat zu sehen, auch nicht die süßen Kinder und den herbeigewünschten Vater, von denen jene vielleicht Strafen wegen meiner Flucht fordern werden und diese Schuld durch den Tod der Unglücklichen sühnen werden.

Insofern bitte ich dich bei den überirdischen Göttern und den göttlichen Mitwissern der Wahrheit, bei der Treue, wenn es irgendwo irgendeine reine bei den Sterblichen gibt, beklage so große Leiden, beklage den nicht würdig getragenen Geist.“

Durch diese Tränen geben wir das Leben und haben überdies Mitleid. Priamos selbst befiehlt als Erster, dem Mann die Handschellen und die engen Fesseln zu lösen und sagt mit freundlichen Worten so: „Wer auch immer du bist, vergiss von hier jetzt die verlorenen Griechen - du wirst unserer sein - und erörtere mir Fragendem dieses wahr: Wozu stellten sie diese Masse des ungeheuer großen Pferdes her? Wer ist der Erbauer? Oder was erstreben sie? Welcher Glaube ist das? Oder ist dies ein Kriegswerkzeug?“  Er hatte gesprochen. Jener mit List und Kunst der Pelasger Geschulte hob die von den Fesseln befreiten Hände zu den Sternen:

Er sagte „Als Zeugen, ihr ewigen Feuer, und euren nicht verletzbaren Willen, euch unsägliche Altäre und Langschwerter, denen ich entkommen bin, und Kopfbinden der Götter, die ich als Opfer getragen habe: Ich habe das Recht, den geheiligten Eid der Griechen zu lösen, das Recht, die Männer zu hassen und alles ans Licht zu bringen, wenn sie irgendwas verbergen, und ich werde nicht durch irgendwelche Gesetze der Heimat gehalten.

Du mögest nur bei dem Versprochenen bleiben und mit dem geretteten Troja die Treue halten, wenn ich Wahres bringen werde, wenn ich Großes zurückzahlen werde. Jede Hoffnung der Danaer und das Vertrauen des Kriegsunternehmens fußte immer auf Pallas’ Hilfe. Aber seitdem der gottlose Tydide und der Urheber des Verbrechens Odysseus, vom Schicksal bestimmt, angreifend dem geheiligten Tempel das Palladium entrissen haben, nachdem sie die Wächter der obersten Burg getötet hatten, sie das heilige Abbild packten und mit blutigen Händen wagend die jungfräulichen Kopfbinden der Göttin berührt haben, seitdem zerfließt und schwankt zurück die Hoffnung der Danaer, waren gebrochen die Kräfte, hat abgewandt sich der Sinn der Göttin.

Und Tritonia gab keine zweifelhaften Wunder als diese Zeichen. Kaum als das Bild im Lager aufgestellt wurde: durch die aufgerissenen Augen entbrennen schimmernde Flammen, und salziger Schweiß geht über die Glieder, sie selbst sprang dreimal allein hervor (sonderbar zu sagen) sowohl einen kleinen Rundschild tragend als auch die zitternde Lanze. Kalchas prophezeit, dass das Meer augenblicklich durch Flucht zu versuchen sei, und Pergamon nicht mit argolischen Geschossen vernichten zu können, wenn sie nicht die Vorzeichen von Argos wiederholen und die Gottheit zurückführen, die sie auf dem Meer und auf gebogenen Schiffen mit sich wegführten.

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