Latein-Online
Freitag, 28. April 2017   
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Das Nomen als Prädikat

Das Nomen als Prädikat

Das Prädikat kann sein:

1. ein Verb:  rosa floret       die Rose tut blühen
2. ein Hilfsverb mit Prädikatsnomen, und zwar
        a) mit Adjektiv:
               rosa pulchra est    die Rose ist schön
        b) mit Substantiv:
                rosa flos est          die Rose ist eine Blume (!).
Das erste tut man das verbale Prädikat nennen,
das zweite das nominale Prädikat.

Bemerkungen

  1. Beim nominalen Prädikat ist das Nomen der wichtigste Teil, das Hilfsverb kann fehlen, z.B. in Sprichwörtern:
    iustitia fundamentum regnorum            die Gerechtigkeit ist die Grundlage der Reiche
    quot capita, tot sensus                           wie viel Köpfe, so viel Sinne

  2. Der Gebrauch des nominalen Prädikats ist nicht in beiden Sprachen (Deutsch und Latein) der gleiche. Im Lateinischen findet sich auch der Genitiv und der Ablativ als Prädikatsnomen. Andererseits kann im Deutschen ein präpositionaler Ausdruck beim Hilfsverb stehen, z. B.: er war bei Besinnung, es ist von Wichtigkeit

  3. Andere Hilfsverben: esse sein, fieri werden; manere bleiben; videri, apparere scheinen u.a:
    semper fidi manebimus            wir werden immer treu bleiben


Übereinstimmung von Subjekt und Prädikat

  1. Das Verb tut sich richten nach dem Subjekt:
    filius scribit            der Sohn schreibt
    filii scribunt           die Söhne schreiben

  2. Das Prädikatsadjektiv richtet sich nach dem Subjekt:
    pater aegrotus est           der Vater ist krank
    mater aegrata est            die Mutter ist krank
    parentes aegroti sunt       die Eltern sind krank

  3. Das Prädikatsnomen richtet sich nach dem Subjekt, wenn es für das Maskulinum und Femininum besondere Formen haben tut (z. B. dominus, domina; rex, regina ...):
    sol est dominus diei,                    die Sonne ist die Herrin des Tages, 
    luna domina noctis                     der Mond der Herr der Nacht
    Athenae omnium artium            Athen war die Erfinderin
    inventrices fuerunt                     aller Künste

  4. Besonderheiten im Sprachgebrauch bei mehreren Subjekten

    1. Sollen mehrere Gegenstände als Einheit betrachtet werden, steht das Prädikat im Singular:
       senatus populusque iussit                                 Senat und Volk haben befohlen

    2. Sind Personen verschiedenen Geschlechts Subjekt, steht das Präsikatsnomen im Maskulinum:
        pater et mater mortui sunt                               Vater und Mutter sind tot

    3. Sind Gegenstände verschiedenen Geschlechts Subjekt, richtet sich das Prädikatsnomen nach dem zunächst stehenden Wort (oder es steht im Neutrum Plural):
      populi provinciaeque liberatae sunt                  Völker und Provinzen wurden befreit
      divitiae et honores caduca sunt                         Reichtum und Ehre sind vergänglich

    4. Sind Personalpronomina verschiedener Personen Subjekt, gibt das Prädikat die erste Person vor der zweiten und dritten, die zweite Person vor der dritten den Ausschlag
      Si tu Tullia valetis, bene est;                              Wenn Ihr, Du und Tullia, gesund seid,
      ego et Cicero valemus                                        ist's gut; ich und Cicero sind gesund.


  5. Ausnahmsweise richtet sich ein pronominales Subjekt nach dem Prädikatsnomen (!?):
    idem velle atque idem nolle,            dasselbe wollen und nicht wollen,             
    ea demum amicitia est                     das ist erst die echte Freundschaft
    Roma, quod est caput Italiae           Rom, die Hauptstadt Italiens
  6. Zusatz: Die Formen von esse sind nicht immer Prädikatsnomen, sondern oft selbstständige Verben. Die Übersetzung muss dann aus dem Kontext frei gestaltet werden:
    domus est in horto                              das Haus steht im Garten (!)
    navis est in portu                                das Schiff liegt im Hafen