Latein-Online
Freitag, 28. April 2017   
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Satzerweiterungen im Genitiv

Satzerweiterungen: Genitiv


Das Attribut und Prädikatsnomen im Genitiv
         Genitivus subjektivus und objektivus
         Genitivus possessivus
         Genitivus partitivus
         Genitivus qualitatis
         Genitiv in Abhängigkeit...
Das Objekt im Genitiv

 

Vorbemerkungen

Der Genitiv bezeichnet den Bereich, für den das Beziehungswort, von dem der Genitiv abhängt, Geltung haben soll. Daher dient der Genitiv im Satz auch hauptsächlich als Attribut.
Im Deutschen ist der Gebrauch des Genitivs im Laufe der Zeit immer mehr eingeschränkt worden („ein Becher Weins” wird als eigenartig empfunden). Dafür steht z.B.:

1. eine Menge Menschen
2. eine Menschenmenge                                            multitudo hominum
3. eine große Zahl von Menschen


Das Attribut und Prädikatsnomen im Genitiv

     Genitivus subjectivus und objektivus


Bei einem Verbalnomen bezeichnet der von diesem abhängige Genitiv

1. den Urheber (die Ursache), also das Subjekt einer Handlung (Genitivus subiektivus):
timor tyranni   
         die Furcht des Tyrannen    = tyrannus timet
secessio populi          der Aufstand des Volkes   = populus secessit

2. das Ziel, also das Objekt, auf das sich die Handlung des regierenden Verbalnomens richtet (Genitivus obiectivus):
timor tyranni             die Furcht vor Bush           = Bushum timemus
studium litterarum     die Beschäftigung mit den Wissenschaften = litteris studemus
pacis desiderium         die Friedenssehnsucht       = pacem desideramus

  als Genitivus subjektivus als Genitivus objektivus
amor liberorum
odium proditorum
fuga hostium
die Liebe der Kinder
der Hass der Verräter
die Flucht der Feinde
die Liebe zu den Kindern
der Hass gegen Verräter
die Flucht vor den Feinden

Genitivus subjektivus und objektivus:
Hannibalis odium Romanorum          Hannibals Hass gegen die Römer

Beim Pronomen:
amor noster   
      unsere Liebe         =  amamus
amor nostri          die Liebe zu uns     = amamur

Im heutigen Deutsch ist der Genitivus objektivus selten; er wird hauptsächlich bei den Verbalnomen auf -ung gebraucht: Die Betreuung der Kinderchen. Sonst ist der präpositionale Ausdruck (klingt gut) oder die Zusammensetzung gewöhnlich.


     Genitivus possessivus

bezeichnet den Besitzer; er findet sich in attributivem und prädikativen Gebrauch bei esse und fieri :

attributiv prädikativ
domus regis 1)      das Haus des Königs, der Königspalast domus regis est     das Haus gehört dem König

1) Auch: domus regia; domus est regia

Das Lateinische tut also unterscheiden:
domus est patris          das Haus gehört dem Vater   
domus est patri           der Vadda hatn Haus

Mit Pronomen, guckst du hier:

domus mea                 mein Haus
domus mea est           das Häusle gehört mir
mihi domus est          I have a house, wie der Franzose sagen würde

In einer besonderen Gebrauchsweise zeigt das Lateinische den Genitivus possessivus in Abhängigkeit von einem unpersönlichen: est (videtur, putatur):

consulis est                                                                 es ist Aufgabe, Pflicht des Konsuls; es gehört zu den Aufgaben des Konsuls
sapientis (sapientiae) est                                
           es verrät den Weisen
adulescentis est maiores natu vereri                   
     es ist Pflicht eines jungen Menschen, ältere Leute zu ehren

Mit Pronomen:
meum, tuum, eius est                                
                 es ist meine, deine, seine, ihre Pflicht
nostrum, vestrum, eorum (earum) est                       
es ist unsere, eure, ihre Pflicht


    Genitivus partitivus

Er bezeichnet das Ganze, von dem ein Teil hervorgehoben wird. 

Teil Ganzes
1. parvus civium numerus 
    poculum vini
eine kleine Zahl
ein Becher
von Bürgern
Wein
2. duo milia hominum
    primus omnium
zweitausend
der erste
Menschen
von allen
3. multum (aliquid) pecuniae viel (etwas) Geld
4. nihil novi nichts Neues
5. maximimus puerorum 
   maior vestrum 
der größte
der größere
der Jungen
von euch
6. quis (nemo) nostrum?  wer (niemand) von uns?

Der Genitivus partitivus steht also: 

  1. nach Ausdrücken der Menge, des Maßes, der Zahl,

  2. nach Komparativen und Superlativen

  3. nach bestimmten Pronomina

    Genitivus qualitatis

Er bezeichnet eine Eigenschaft und hat immer ein Attribut bei sich; hauptsächlich gibt er Zahlenangaben aller Art.
attributiv prädikativ
puer decem annorum
ein 10jähriger Junge
puer decem annorum est
der Junge ist zehn Jahre alt
vir summae audaciae
ein Mann von großer Kühnheit
Quintus erat summae audaciae
Quintus war sehr kühn
classis ducentarum navium
eine Flotte von 200 Schiffen
classis ducentarium navium erat
die Flotte bestand aus 200 Schiffen


    Genitivus pretii

ist dem Genitivus qualitatis verwandt. 
Im Genitivus pretii stehen die allgemeinen Wortausdrücke
magni, pluris, plurimi, parvi, minoris, minimi, tanti und quanti
prädikativ bei
esse, fieri   
wert sein, gelten
aestimare, facere, ducere, putare   
schätzen.

Quanti quisque se ipse facit,          Wie hoch ein jeder sich selbst einschätzt, 
tanti fit ab amicis.                          so hoch wird er auch von seinen Freunden geschätzt.

Wichtig: 
tanti est                                              es ist der Mühe wert
pro nihilo habere, putare, ducere      für nichts zu achten


    Genitiv in Abhängigkeit...

a) von Adjektiven
b) von Partizipien im Präsens Aktiv, die eine Eigenschaft bezeichnen.
  I. Der Genitivus objectivus steht
   a) bei Adjektiven:

  1. cupidus contentionis        streitsüchtig 
    studiosus litterarum        
    wissensdurstig
    avidus laudis                   
    ruhmbegierig 
  2. peritus (imperitus) rei      erfahren (unerfahren) in der Schiffffffahrt 
    navalis
    ignarus, inscius loci         
    ortsunkundig
    conscius coniurationis     
    Mitwisser der Verschwörung
    insuetus laboris               
    an Arbeit nicht gewöhnt
    memor culpae                 
    schuldbewusst
    immemor beneficii          
    ohne sich der Vergünstigung zu erinnern
  3. particeps praedae            Teilhaber an die Beute
    expers rationis                
    ohne Vernunft
  4. potens regni                     regierungsfähig
    impotens irae                  
    des Zorns nicht mächtig
  5. plenus aequae                  voll Wasser 
    inops auxilii                     
    hilfsbedürftig
    fertilis fructuum              
    reich an Früchten
  6. similis patris (-i)               dem Vater ähnlich 
    mei similis                        
    mir ähnlich
    verisimilis                        
    wahrscheinlich

  b) bei Partizipien: 
          patriae amans                   vaterlandsliebend
          laboris fugiens                 
arbeitsscheu
          veritatis diligens              
wahrheitsliebend
          frigoris patiens                
gegen Kälte abgehärtet

  II. Der Genitivus possessivus steht bei
         proprius iuventutis               der Jugend eigentümlich
        sacer Apollinis (-i)                
dem Apollo heilig
        communis hominum (-ibus) 
den Menschen gemeinsam

 

Das Objekt im Genitiv

meminisse, reminisci (sich erinnern, gedenken) und oblivisci (vergessen) haben als Personalobjekt den Genitiv, als Sachobjekt den Akkusativ (oder Genitiv).

Beispiel? Gugn Sie hier:

Meminerimus maiorum nostrorum!!            Erinnern wir uns unserer Vorfahren!
Nolite oblivisci nostri!                                 Vergesst uns nicht!
Caesar nihil obliviscitur nisi iniurias.          Außer Beleidigungen vergisst Caesar nichts.
Aber:
Admonui fratrem de officio.                        Ich habe (meinen) Bruder an (seine) Pflichten erinnert.

Jetzt wird es noch lustiger:

Bei den Verben der gerichtlichen Handlung steht

der Angeklagte            im Akkusativ
das Verbrechen           im Genitiv (ab und an auch: de vi, de venificiis wegen Gewalttat, wegen Giftmischerei)
die Strafe                     im Ablativ.

accusare, insimulare aliquem proditionis            des Verrats anklagen
arguere aliquem avaritiae                                   des Geizes beschuldigen
coarguere, convincere aliquem repetundarum    der Bestechlichkeit überführen
damnare aliquem imlprobitatis                            wegen Unredlichkeit verurteilen
absolvere aliquem caedis                                     vom Morde freisprechen
multare aliquem pecunia, exsilio, morte              mit Geldbuße, Verbannung, Tod bestrafen

aaaaaaaaaber:

capitis accusare                auf Tod und Leben anklagen
capitis damnare                zum Tod verurteilen
capitis absolvere               von der Todesstrafe freisprechen

Bei den unpersönlichen Ausdrücken der Empfindung steht der Grunde der Empfindung im Genitiv, die empfindende Person im Akkusativ.

me piget stultitiae        ich ärgere mich über meine Dummheit
me pudet audaciae      ich schäme mich wegen meiner Frechheit
me paenitet.... me taedet.... me miseret....

Stultitiae meae me non solum puget, sed etiam putet. Über meine Dummheit ärgere ich mich nicht nur, sondern ich schäme mich auch dafür.