Latein-Online
Samstag, 24. Juni 2017   
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Regeln für das Skandieren

Regeln für das Skandieren lateinischer Texte

  1. Lange und kurze Silben

    1. Naturlang:        Eine Silbe ist lang, wenn sie einen Vokal (Bsp. amicus) oder einen Diphtong ( Bsp. amoenus) enthält.
                             Regeln für naturlange Silben: Vor -nf und -ns wird jeder Vokal lang gesprochen.
                              Dativ Singular-Endungen sind lang, ebenso die Ablativ Singular-Endungen der a-, o-, e-, u- und i-Deklination.
                              Ablativ Plural-Endungen der a- und o-Deklination sind auch lang; die meisten Adverbia auf -e enden auch lang.
                              Die 1. Person Singular Präsens Aktiv Indikativ auf -o ist stets lang.
                              Nominativ und Akkusativ Plural-Endungen sind fast immer lang; Problem: die Endung -a im Neutrum-Plural dagegen ist kurz.
                              Einsilbige Wörter, die auf einen Vokal enden, sind in der Regel lang: se, te, de, me ...
    2. Positionslang:    Eine Silbe ist positionslang, wenn auf einen kurzen Vokal zwei oder mehr Konsonanten folgen, z.B. fenestra. Dafür reicht auch
                              schon ein x (= gs/cs).
                             Ausnahme: Vor der Verbindung muta cum liquida (b d g oder p t c vor l und r) kann die Silbe auch kurz sein, z. B. patres.
  2. Elision
      
                                  Vorsicht: Elli hat damit nichts zu tun!!!
                                    
    Kurz und knapp ausgedrückt: Bei Auslaut auf Vokal oder m vor vokalischem Anlaut oder h wird der auslautende Vokal beim
                                     Lesen und Skandieren in der Regel unterdrückt.
                                     Lang und verständlich ausgedrückt: Wenn in der Dichtung ein Wort nur mit einem Vokal (z.B. pace) oder mit m aufhört
                                     (z.B. urinatorum) und vor einem Wort steht, das mit einem Vokal (z.B. ave) oder mit h anfängt (z.B. has), dann wird
                                     der auslautende Vokal, also der letzte Vokal des ersten Wortes, nicht mitgelesen und auch nicht mitskandiert.
                                     Beispiel: Monstrum horrendum informe ingens, cui lumen ademptum