Latein-Online
Dienstag, 19. September 2017   
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Latein-Online: Der AcI

Der Nominativus cum Infinitivo - NcI



Wenn ein Verb, von dem üblicherweise ein AcI abhängig ist, im Passiv steht, dann wird aus dem AcI ein NcI, das heiß ein Nominativus cum Infinitivo (Nominativ mit Infinitiv).


Zum Beispiel

Cornelius in foro stare creditur. – Es wird geglaubt, dass Cornelius im Forum steht.


Wie auch beim AcI erfolgt die Übersetzung im Deutschen in der Regel mit einem „dass“-Satz.


Dabei gilt die Regel:

Der Nominativ des lateinischen Satzes (Cornelius) wird zum Subjekt des „dass“-Satzes und der Infinitiv des lateinischen Satzes (stare) zum Prädikat des deutschen "dass"-Satzes (steht).


Der NcI tritt häufig bei den folgenden Verben auf:

videor (ich scheine [im Sinne von: Ich scheine bekloppt zu sein]); sinor (man lässt mich, man gestattet mir), cogor (ich muss), iubeor (man befiehlt mir), vetor (man verbietet mir), prohibeor (ich darf nicht, ich werde daran gehindert).

Die Konstruktion im Deutschen ist hier ähnlich. Das Deutsche bietet  mehrere Übersetzungsmöglichkeiten. Der „dass“-Satz geht immer, muss jedoch wie beim AcI nicht automatisch die beste Lösung sein.

Beispiele:

Pueri iubentur linguam discere. – Man befiehlt den Jungen, die Sprache zu lernen.
                                                      Man befiehlt den Jungen, dass sie die Sprache lernen.

Linguam latinam loqui vetor. – Man verbietet mir, Latein zu sprechen.
                                                   Man verbietet mir, dass ich Latein spreche.

Linguam gallicam discere cogor. – Ich werde gezwungen, Französisch zu lernen.
                                                        Man zwingt mich, Französisch zu lernen.
                                                        Man zwingt mich, dass ich Französisch lerne.
                                                        Ich muss Französisch lernen.

Ebenso finden wir den NcI bei Verben, die im Aktiv mit dem AcI verbunden sind:

dicor (man sagt von mir)
negor (man leugnet, dass ich…)
putor (man glaubt, dass ich…)

Beispiel:

Magnificus et prudens esse dicor. – Man sagt, dass ich hervorragend und klug bin.


Ebenfalls trifft man den NcI häufig bei folgenden Formulierungen an:

traditur; fertur – es wird überliefert, dass er…
traduntur; feruntur – es wird überliefert, dass sie…
dicitur – es wird gesagt/berichtet, dass er…
dicuntur – es wird gesagt/berichtet, dass sie…

Beispiel:

Vergilius poemata magnifica fecisse dicitur. – Man sagt, dass Vergil hervorragende Gedichte verfasst hat.


Übersetzungsmöglichkeiten:

Wie auch beim AcI hier nun einige Möglichkeiten, den NcI wiederzugeben.

Deceptus esse videris.

1.) Übersetzung mit persönlich konstruiertem Prädikat und Infinitiv:
     Du scheinst getäuscht wurden zu sein.

2.) Der „dass“-Satz mit unpersönlichem Prädikat (Standardübersetzung):
     Es scheint, dass du getäuscht worden bist.

3.) Unpersönliches Prädikat mit einem Gliedsatz ohne „dass“:
     Es scheint, als seist du getäuscht worden.

4.) Hauptsatz mit Parenthese:
     Du wurdest, wie es scheint, getäuscht.

5.) Hauptsatz mit Präpositionalausdruck:
     Du wurdest allem Anschein nach getäuscht.

6.) Hauptsatz mit Adverb:
     Du wurdest anscheinend getäuscht.


Der Kreativität scheinen keine Grenzen gesetzt zu sein.