Latein-Online
Dienstag, 19. September 2017   
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Das Verb

Das Verb

Die grammatischen Ausdrücke
Die 4 Konjugationen

Es gibt sicherlich mehrere Gründe, warum einige Schüler Latein hassen. Einer davon ist, dass man in dieser Sprache immer wieder auf Formen stößt, die einem erstens den Atem rauben und zweitens einen die eigene Doofheit erkennen lassen. Das hat man, wenn man Pech hat, so etwa fünf Mal pro Satz im Unterricht.
Wir kennen ja schon so tolle Formen wie z. B. quadringentesimus. Nun ist diese Form aber noch recht leicht zu übersetzen, weil sie nicht dekliniert wird und auch sonst nur eine Bedeutung hat, denn es handelt sich hier um ein stinknormales, ödes Numeral.
Die Wortgruppe, die einem regelmäßig den Suizid nahelegt, ist die nicht eben kleine Wortgruppe der Verben. Da gibt's dann so feine Wörters wie audivissemus. Zur Erheiterung trägt allerdings immer wieder der Infinitiv Perfekt des Verbes capere bei, das schöne Wörtchen cepisse, das schon einige Lateinstunden zunichte gemacht hat bzw. in schallendem Gelächter hat untergehen lassen...

Genug der Witzeleien. Kümmern wir uns um die unendlichen Weiten der lateinischen Verben.

Alle Formen des Verbums, die eine Personalendung enthalten, fasst man unter dem Ausdruck Verbum finitum zusammen. Zum Verbum infinitum rechnet man die Verbalformen, die die Handlung ohne Personenbezeichnung kennzeichnen; sie bilden dem Inhalt und teilweise auch der Form nach den Übergang zu den Nomen. Man nennt sie daher Verbalnomen.

Die grammatischen Ausdrücke:

  1. Zustandsform                                       Genus verbi
        1. Tätigkeitsform                               Aktiv(um)
        2. Leideform                                     Passiv(um)

  2. Zeitform                                                Tempus
    Gegenwart                                             Präsens
    Vergangenheit (Präteritum)                    Imperfekt(um), (Dauer, Wiederholung)
                                                                 Perfekt(um), (Vergangenheit in der Erzählung)
    vollendete Gegenwart                            Perfekt(um)
    Vorvergangenheit                                  Plusquamperfekt(um)
    Erste Zukunft                                        Futur(um) I
    Zweite Zukunft                                      Futur(um) II

  3. Aussageweise                                       Modus
        1. Wirklichkeitsform                          Indikativ(us)
     
      2. Möglichkeitsform                           Konjunktiv(us)
        3. Befehlsform                                   Imperativ(us)

  4. Person                                                   1., 2., 3. Person im Singular und Plural

Alle bis hierhin genannten Formen gehören zum Verbum finitum.
Zum Verbum infinitum gehören:

  1. die Verbalnomen:            Nennform        Infinitiv(us)
                                         
    Mittelwort        Partizipi(ium)

  2. 3 Sonderformen der lateinischen Sprache:
                                                                   Gerundium
                                                                   Gerundivum
                                                                   Supinum


Die 4 Konjugationen

Nach dem letzten Buchstaben des Präsensstammes unterscheiden schon die römischen Grammatiker die 4 Konjugationen:

  1. Konjugationen mit langem vokalischen Auslaut:
        Stamm: porta-: a - Konjugation: Infinitiv: porta re       tragen
        Stamm: mone-: e - Konjugation: Infinitiv: mone re      ermahnen
        Stamm: audi-:   i - Konjugation: Infinitiv: audi re         hören

  2. Konjugationen mit konsonantischem Auslaut:
        Stamm: reg-: Konsonantische Konjugation: Infinitiv: reg e re1)     lenken

Wegen der angeglichenen Formenbildung werden zu dieser Konjugation auch die Verben mit dem Stammauslaut-i (kurz) (capi-, Infinitiv: cap e re)und -u (minu e re) gerechnet:
              capi o         wie audi o        (gekürztes -i); aber  rego
             capi e bam   wie audi e bam (gekürztes -i); aber reg e bam
             capi e ndus  wie audi e ndus (gekürztes -i); aber reg e ndus

1) Zwischen Stamm und Endung wird hier ein e eingeschoben (Zur besseren Aussprache). Das findet sich auch in anderen Verbformen wieder.